Drei Kandidaten für den KV-Vorstand
Dr. Ralph Ennenbach ist der jüngste und zugleich der in der Standespolitik erfahrendste unter den Kandidaten. Der 1962 in Dormagen geborene Physiker ist seit 2001 in der Bad Segeberger KV beschäftigt - zunächst in der Geschäftsführung, seit 2006 als hauptamtlicher Vorstand. Seine Stärke sieht Ennenbach in der Fähigkeit Visionen zu entwickeln, ohne dabei die Realität auszublenden. Als "visionären Pragmatiker" sieht er sich selbst. Zugleich hält er sich für "energiereich genug, um bei einer Weiterentwicklung des Systems mitwirken zu können." Dafür hält er die in den vergangenen Jahren geschaffene Vernetzung in der Berliner Gesundheitsszene für hilfreich. Der Honorarexperte sieht es als Meilenstein an, dass Härten für KVSH-Mitglieder, hervorgerufen durch in Berlin geänderte Honorarbedingungen, weitgehend abgefedert werden konnten. Dies ist nach seiner Ansicht nur gelungen, weil manche Arztgruppen im Land auf zusätzliche Gewinne verzichteten. Für die Zukunft erwartet Ennenbach eine neue Vertragswelt und eine immer stärkere Herausforderung für die Sicherstellung. "Die KV muss Ärzte aus den Städten motivieren, auf das Land zu gehen", sagte Ennenbach.
Den Sicherstellungsauftrag stellt auch Dr. Monika Schliffke bei einem ersten Ausblick auf die kommende Amtsperiode ins Zentrum. Die 60jährige Allgemeinmedizinerin weiß als Vorstand des Lauenburger Praxisnetzes, wovon sie in diesem Zusammenang spricht. Auch im Herzogtum Lauenburg stehen Interessenten nicht Schlange, wenn Praxisinhaber Nachfolger suchen. In ihrer Region hat Schliffke dazu beigetragen, dass Ärzte nicht nur innerhalb ihres Sektors oder ihrer Fachgruppe kommunizieren. Im Lauenburger Praxisnetz arbeiten niedergelassene Ärzte und Klinikkollegen Hand in Hand. Schliffke betont das interdisziplinäre Arbeiten. Um den Ärztemangel zu bekämpfen, hält sie den von der KVSH eingeschlagenen Weg, Zweigpraxen zu fördern, für richtig und ausbaufähig. Außer im Praxisnetz hat Schliffke auch in Bad Segeberg langjährige Erfahrungen gesammelt. Seit zwölf Jahren ist sie Abgeordnete, seit der vergangenen Wahl ist sie stellvertretende Vorsitzende der Abgeordnetenversammlung. Im Falle einer Wahl in den Vorstand müsste sie beide Posten aufgeben. Die Satzung des Netzes lässt den Netzvorstand nicht zu, weil sie dann in einem anderen Kreis tätig wäre. Und als Vorstandsmitglied der KV könnte sie nicht gleichzeitig Vorsitzende der Abgeordnetenversammlung sein.
Im Vergleich zu den beiden Mitbewerbern ist Dr. Hans-Joachim Zielinski in Bad Segeberg bislang selten präsent. Ein Unbekannter ist der 62jährige Westerländer dennoch nicht. Zielinski äußert sich gerne in Artikeln und Leserbriefen in Fachpublikationen und ist manchen Ärzten in Schleswig-Holstein aus Seminaren bekannt. Zielinski hat vor der Medizin ein Jurastudium absolviert und kann sich vorstellen, den vielfältigen Anforderungen an den Posten aufgrund seiner Erfahrungen gerecht zu werden. Im KV-Vorstand möchte er dazu beitragen, dass die Bindung zwischen den Mitgliedern und der Körperschaft verstärkt wird. Trotz mancher Fortschritte in dieser Hinsicht beobachtet Zielinski noch immer ein "die da oben"-Gefühl bei vielen seiner Kollegen. Mit einer besseren Bindung zur Basis könnte die KVSH ihre Schlagkraft nach seiner Einschätzung noch erhöhen - ebenso wie durch eine intensivere Öffentlichkeitsarbeit. Zielinksi arbeitet derzeit in einer fachübergreifenden Gemeinschaftspraxis mit einem Internisten zusammen. Schon seine Eltern waren Hausärzte auf Sylt.
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